Rundgang: von der Einreichung bis zum geschlossenen Kreis

Die sechs Schritte

Dieser Rundgang erzählt das System einmal ganz durch: was das Problem ist, was beim Einreichen passiert, was die Maschine daraus macht, wie ein Mensch entscheidet, was die antragstellende Person davon sieht - und warum man dem Gezeigten trauen kann. Jeder Schritt verlinkt die Stelle, an der er tatsächlich stattfindet. Rechnen Sie mit zehn Minuten.

Diese Bereitstellung nimmt Anträge entgegen: Sie können den Rundgang mit einem EIGENEN Vorgang durchlaufen, von der Einreichung bis zur Eingangsbestätigung im Postfach.

Das Problem und die Antwort in zwei Ebenen

In Massenverfahren der öffentlichen Verwaltung entscheidet nicht die schwierige Akte über den Rückstand, sondern die Menge: hunderttausende Eingänge, von denen die meisten einfach sind, müssen sortiert werden, bevor irgendjemand fachlich arbeiten kann. Der teuerste Fehler dabei ist immer derselbe - ein Vorgang wird als "kein Mensch nötig" abgelegt, der einen Menschen gebraucht hätte.

Die Antwort dieses Systems sind zwei getrennte Ebenen: eine Evidenzebene, die probabilistisch sein darf - sie liest, extrahiert, ordnet zu, findet Lücken - und eine Entscheidungsebene, die deterministisch ist und ausschließlich liest, was belegt ist. Zwischen beiden liegt ein Einwegventil: Unsicherheit kann einen Vorgang nur zu einem Menschen schieben, nie von ihm weg. Das ist keine Absichtserklärung, sondern eine Eigenschaft, die bei jedem Commit gegen die echte Entscheidungstabelle und die 101 echten Evidenzsätze des eingefrorenen Satzes geprüft wird (ADR-004).

  • Der Assistent entscheidet nichts über Menschen. Er entscheidet, wie genau ein Mensch hinsehen muss - Tier 1 klar, Tier 2 unvollständig, Tier 3 vollständige Prüfung - und begründet jede dieser Einstufungen zeilenweise.
  • Kein Satz eines Sprachmodells erreicht eine antragstellende Person. Nachrichten entstehen aus Vorlagen einer versionierten Konfiguration, Entwürfe warten auf die Bestätigung eines Menschen.

Phase 1: Sie reichen etwas ein

Auf der Antragsseite wählen Sie eine von vier erfundenen Personen - offenkundig erfundene Namen, damit ein Bildschirmfoto dieser Demo niemals wie ein echter Vorgang aussieht - und bearbeiten deren vorausgefüllten Statusfeststellungsantrag. Sie dürfen ihn kaputt machen: die Versicherungsnummer löschen, ein unmögliches Geburtsdatum eintragen, den Beginn der Tätigkeit weit in die Zukunft schieben. Jede dieser Änderungen löst ein anderes, echtes Verhalten der Anlage aus.

Das Formular geht durch dieselbe Verarbeitung wie jeder andere Eingang: dieselbe Versiegelung, dieselbe Prüfung, dasselbe Journal. Es gibt keinen Demo-Pfad daneben.

Antrag stellen (Phase 1)

Phase 2: Was die Maschine daraus gemacht hat

Phase 2 zeigt sieben Schritte in der Reihenfolge, in der sie gelaufen sind: Eingang, Versiegelung, Extraktion, Evidenz, Entscheidung, Nachricht, Warteschlange. Jede Zahl darauf kommt aus dem Journal des Vorgangs. Die Seite rechnet nichts nach - sie kann dem, was tatsächlich passiert ist, gar nicht widersprechen.

Damit die sieben Schritte begehbar sind, bevor Sie selbst etwas eingereicht haben, zeigt dieser Rundgang einen Vorgang aus dem eingefrorenen Goldsatz: einen Antrag auf Regelaltersrente, bei dem der Rentenbeginn fehlt. Ergebnis: Tier 2 - zuordenbar, unvollständig, zugeordnet an Referat 312 - Altersrenten.

Die sieben Schritte an diesem Vorgang ansehen

Worauf Sie dort achten sollten

  • Schritt b, Versiegelung. Name, Geburtsdatum, Versicherungsnummer und Anschrift sind ersetzt, bevor die Arbeitskopie entstand. Die Tabelle nennt die ART des Versiegelten und die Anzahl - niemals einen Wert. Eine zweite, unabhängige Erkennerrunde über die Arbeitskopie hat nichts mehr gefunden; das ist die Nachprüfung.
  • Schritt c, Extraktion. Jede ausgelesene Angabe trägt eine Fundstelle, die doppelt geprüft wurde: das wörtliche Zitat UND die Zeichenposition, unabhängig voneinander gegen dieselbe Textfassung. Wer das nicht besteht, wird verworfen statt repariert - und ein verworfener Wert schiebt den Vorgang Richtung Tier 3.
  • Schritt d, Evidenz. Die gemeldete Lücke steht mit dem Satz da, den die Nachforderung dazu stellen würde. Der Satz kommt aus der Verfahrenskonfiguration, nicht aus einem Modell.
  • Schritt e, Entscheidung. Die Begründungen der Entscheidungstabelle stehen in Auswertungsreihenfolge, mit der Zeilen-ID, die gegriffen hat. Das ist der Punkt, an dem "erklärbar" aufhört, ein Versprechen zu sein.

Der Vorgang, auf den dieser Schritt zeigt, stammt aus dem eingefrorenen Goldsatz und nicht aus einer Eingabe von Ihnen. Deshalb fehlt dort die Gegenüberstellung von eingegebenem Wert und Arbeitskopie: dieser Zwischenspeicher hält ausschließlich, was eine Besucherin oder ein Besucher selbst getippt hat, und zwar nur für kurze Zeit im Arbeitsspeicher. Alles Übrige - Versiegelung, Fundstellen, Lücken, Zuordnung, Entscheidung, Nachrichten - kommt aus dem Journal und steht vollständig da.

Und dann fragt die Clearingstelle die andere Seite. Ein Statusfeststellungsantrag hat zwei Parteien - par. 7a Abs. 4 SGB IV verlangt, dass der Auftraggeber gehört wird, bevor entschieden wird. In dieser Demonstration spielen Sie ihn selbst: Sie sehen das Anschreiben, das bei ihm eingegangen ist, und antworten darauf. Ihre Antwort läuft durch denselben Eingang und wird ein eigener, versiegelter Vorgang - die Versiegelung gilt für beide Seiten.

Die Gegenseite spielen

Phase 3: Ein Mensch entscheidet

Jetzt wechseln Sie die Rolle. Die Sachbearbeitungsoberfläche zeigt Warteschlangen je Organisationseinheit, ältester Vorgang zuerst, plus eine Zentrale Klärung für alles, was keine Regel zuordnen konnte (par. 16 Abs. 2 S. 1 SGB I verpflichtet die unzuständige Stelle zur unverzüglichen Weiterleitung). In der Vorgangsansicht stehen sämtliche Belege über den drei Aktionen: bestätigen, umsteuern, eskalieren.

Jede Aktion schreibt ein neues Journalereignis. Keine ändert ein altes und keine löscht eines: eine Korrektur ist ein Eintrag neben der alten Entscheidung, nicht an ihrer Stelle (ADR-008). Deshalb gibt es auch keinen Knopf, der eine Bestätigung rückgängig macht.

Zur Warteschlange Referat 312 - Altersrenten

Oder direkt in die Vorgangsansicht desselben Vorgangs: Vorgang case-ar-0011-ohne-rentenbeginn.

Worauf Sie dort achten sollten

  • Das Umsteuern verlangt eine Begründung, das Eskalieren nicht. Diese Asymmetrie ist dieselbe wie beim Einwegventil: vor die sichere Richtung - mehr Prüfung - gehört keine Hürde.
  • Der Ähnlichkeitsvorschlag steht sichtbar da und hat nichts entschieden. Er ist eingerahmt und beschriftet, damit ihm widersprochen werden kann - nicht, damit er mitentscheidet (ADR-021).
  • Im Journal steht keine natürliche Person. Akteur ist immer das System oder eine Organisationseinheit; ein Feld für eine benannte Person gibt es nicht (BPersVG par. 80 Abs. 1 Nr. 21).
  • Vor dem Bestätigen steht die Fristarithmetik. Vier Tage Bekanntgabefiktion (par. 37 Abs. 2 SGB X), dann die Antwortfrist, beides auf den nächsten Werktag geschoben (par. 26 Abs. 3 SGB X) - mit dem Feiertagssatz, der dabei verwendet wird, im Klartext daneben.

Rollenwahl ist eine Demo-Funktion ohne Anmeldung: die Einheit steht in der Adresszeile. Ein echtes Berechtigungskonzept mit Identitätsanbieter ist Pilotvoraussetzung (C-5) und existiert hier nicht.

Der Kreis schließt sich im Postfach

Das simulierte Postfach zeigt, was die antragstellende Person tatsächlich erhalten hätte: die Eingangsbestätigung und - nach der Zuordnung - den Zwischenstand. Beide entstehen automatisch als Projektion des Vorgangsjournals, beide sind rein informatorisch (Realakt, kein Verwaltungsakt, ADR-005), und beider Text stammt vollständig aus einer versionierten Konfigurationsdatei. Kein Sprachmodell ist daran beteiligt.

Genau deshalb gibt es auf dieser Seite keine Bedienung: kein Formular, keine Schaltfläche, nichts, womit jemand eine Nachricht auslösen, ändern oder erneut senden könnte. Alles mit Verfahrensfolge geht den schriftformgebundenen Weg (par. 36a SGB I) und nicht über diese Seite.

Zum Postfach (nur Ansicht)

Warum man dem trauen kann

Eine Demo, die nur gut aussieht, ist ein Prospekt. Fünf Dinge unterscheiden diese hier davon, und alle fünf lassen sich nachprüfen:

Alle Daten sind synthetisch
Der gesamte Bestand stammt aus dem eingefrorenen Goldsatz corpus/gold/v4. Es gibt hier keine echte Person und keinen echten Vorgang. Die erfundenen Personen der Antragsseite sind zusätzlich daraufhin geprüft, dass keiner ihrer Werte irgendwo im Goldsatz oder im Kanarienvogel-Satz vorkommt - sonst könnte eine Leck-Prüfung ein Leck nicht von einer Persona unterscheiden.
Der Eingang ist bewusst verschlossen
POST /ingest antwortet ohne gültiges Token mit 403, und zwar bevor der Anfragekörper gelesen wird - die Prüfung ist eine Middleware und keine Routen-Abhängigkeit, weil ein Framework den Körper sonst zuerst dekodiert. Diese Instanz kann keinen echten, versehentlich abgeschickten Antrag entgegennehmen.
Vier Gates, bei jedem Commit
Der Eval-Lauf über dem eingefrorenen Satz bricht ab, wenn eines von vier Dingen sich bewegt: die False-Clear-Rate (Budget null, dauerhaft), der Redaktions-Recall der deterministischen Erkenner, die Regressions-Identität der rein strukturierten Teilmenge, und die Lesbarkeit jeder Scorer-Markierung. Die Zahlen des letzten Laufs stehen auf der Metrikseite - die Seite rechnet sie nicht, sie zeigt sie.
Ein Neustart setzt alles zurück
Der Bestand wird beim Start aus dem Goldsatz neu aufgebaut. Was Sie hier bestätigen oder umsteuern, verschwindet damit wieder - deshalb sind die Aktionen überhaupt offen. Der Zwischenspeicher der Antragsseite lebt ausschließlich im Arbeitsspeicher und überlebt keinen Prozess.
Der Quellcode ist offen und vollständig dokumentiert
Lizenz EUPL-1.2. Architekturentscheidungen, die Spezifikation, die bekannten Fehler und die Barrierefreiheits-Selbsteinschätzung sind mit dem Quellcode veröffentlicht. Zum Repository

Zu den Eval-Metriken

Die Barrierefreiheits-Selbsteinschätzung nach EN 301 549 / WCAG 2.1 AA ist eine Selbsteinschätzung und kein Test nach BITV 2.0. Eine externe Prüfung durch eine akkreditierte Stelle hat nicht stattgefunden und ist Pilotvoraussetzung. Das steht hier und nicht in einer Fußnote, weil ein System, das Vertrauenswürdigkeit behauptet, über seine eigenen Ränder ehrlich sein muss.